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Besteigung des Großvenedigers zu Ehren der Pioniere

Schon einmal auf einem 3.000er-Gipfel gestanden? Das hat schon was. Der Großvenediger ist einer der Berge, die technisch gut machbar sind. Eine gute Kondition benötigt man trotzdem. Ich habe mir meine Bergschuhe angezogen und bin der Route der Erstbesteiger gefolgt.

„Immer mehr und mehr brach der Fuß in den weich gewordenen Schnee, die Ermüdung nahm von Minute zu Minute zu, der Durst wurde immer brennender, der Atem kürzer, der Reiz zum Erbrechen mit Üblichkeit stärker, die Pulsschläge drängten sich schneller, das Brausen in den Ohren nahm zu, die Haut unserer Gesichter brannte wie Feuer, bei vielen fing sie zu schwellen an, bei vielen stellte sich schon die stechende Empfindung der beginnenden Schneeblindheit ein; da wurden die Klagen von allen Seiten laut, und es wurde beschlossen, daß diejenigen, die es nicht mehr zu vermögen wähnen, zurück bleiben.“

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Auf den Spuren der Erstbesteiger: Wir – eine Seilschaft sportlicher Journalisten – sind stolz auf unser Abenteuer.

Dieses Zitat stammt von Ignaz von Kürsinger, einem der Erstbesteiger des Großvenedigers (aus: „Der Groß-Venediger in der norischen Central-Alpenkette, seine erste Ersteigung am 3. September 1841, und sein Gletscher in seiner gegenwärtigen und ehemaligen Ausdehnung“ von Ignaz v. Kürsinger und Dr. Franz Spitaler; Innsbruck, Wagner 1843).

Sonnenschutzcreme statt Hasenschmalz

Die Erstbesteiger trugen eine Flasche Wasser und eine Flasche Wein um den Hals, das Gesicht hatten sie sich mit Hasenschmalz und in Mehl zerriebenem Schwarzpulver eingeschmiert, um sich gegen Kälte und Sonne zu schützen.

Auch unsere Seilschaft, die sich in den Kopf gesetzt hat, den höchsten Salzburger Berg zu Ehren der 175-jährigen Großvenediger-Erstbesteigung auf ebendieser Route zu erklimmen, kämpft mit dem ein oder anderen Wehwehchen. Denn es ist richtig kalt, wir müssen uns gegen orkanartige Windböen stemmen, unsere Beine versinken teils kniehoch im vielen Neuschnee am Gletscher, man sieht fast nichts vor lauter Nebel und Graupelschauer stechen uns ins Gesicht.

Wasser haben wir auch dabei. Auf Hasenschmalz haben wir allerdings verzichtet, wir tragen Sonnenschutzfaktor 30+ im Gesicht und unseren Gipfelschnaps anstelle von Wein hinauf.

Nicht alle schaffen die Strapazen.

6 Stunden von der Kürsingerhütte bis zum Gipfel, dann 4 Stunden wieder retour: Nicht alle schaffen die Strapazen.

Einer unserer Kollegen musste eine halbe Stunde unter dem Gipfel wieder kehrtmachen: Die Kurzatmigkeit auf über 3.000 Metern machte ihm zu sehr zu schaffen. Aber große Herren und große Berge erteilen eben nicht oft Audienz. 

Ohne Kondition geht es nicht

Man sieht: Die Besteigung des Großvenedigers (3.666 m) im Nationalpark Hohe Tauern ist auch heute nur etwas für Leute mit wirklich Ausdauer. Das bestätigt auch Manfred Reitsamer, einer unserer Bergführer: „Manche Leute sehen diesen schönen Berg vom Tal aus und wollen unbedingt hinauf. Eine Besteigung des Großvenedigers ist zwar technisch nicht schwierig, aber man benötigt viel Ausdauer, die Gipfeltour ist sehr anspruchsvoll.“

Und das stimmt. 5,5 Stunden sind wir nun schon zu Fuß in Richtung Gipfel unterwegs. Aufgebrochen sind wir um 5.00 Uhr früh von der bestens bewirtschafteten Kürsingerhütte.
Das Nationalparktaxi hat uns am Vortag von Neukirchen am Großvenediger ins Obersulzbachtal bis zur Seilbahnstation am Talschluss geführt. Der Aufstieg zur Kürsingerhütte (600 Höhenmeter und rund 1,5 Stunden Gehzeit), wo wir dann übernachtet haben, war quasi ein Spaziergang.

Der Gipfeltag wurde dann aber – bedingt durch das schlechte Wetter – zu einer 10 Stunden-Bergtour (tour-retour). Unter 8 Stunden ist die Besteigung aber auch bei schönstem Wetter nicht zu schaffen. Es sei denn, man bezwingt den Großvenediger im Frühjahr mit Tourenski, dann ist man zumindest schneller wieder unten. Wir mussten den Weg zu Fuß wieder zurückstapfen.

Der Gipfel rückt ins Blickfeld und kurz öffnet sich sogar ein Sonnenfenster.

Der Gipfel rückt ins Blickfeld und kurz öffnet sich sogar ein Sonnenfenster.

1828 brach bereits einmal eine Seilschaft von Neukirchen aus auf, um den Großvenediger erstmals zu besteigen. Erzherzog Johann von Österreich, Paul Rohregger und 15 weitere Männer mussten allerdings kurz vor dem Ziel wegen einer Eislawine umdrehen. Bis 1841 wurde kein weitere Versuch gestartet, denn es wurde danach als unmöglich gehalten, je zur Spitze des Großvenedigers zu gelangen.

Woher bekomme ich einen Bergführer?

Heute stehen jährlich Tausende von Bergsteigern am Gipfel des Großvenedigers, aber das hat Ignaz von Kürsinger bereits geahnt, als er selbst 1841 mit seiner Gefolgschaft am Gipfel die Fahne hisste und schrie: „Hoch lebe das Haus Österreich! Hoch lebe die ganze Gesellschaft! Hoch leben alle Pinzgauer!“

Jetzt stehe ich auch am Gipfel und ein Glücksgefühl macht sich breit – obwohl ein eiskalter Sturm weht und mir der Nebel das Panorama verwehrt. Zum Glück kenne ich die herrliche Rundumsicht bis zum Großglockner aber schon von meiner ersten Besteigung. Ich habe es geschafft!

Eine Großvenediger-Besteigung? Immer wieder gern! Am besten sollte man eine Gipfeltour aber mit Bergführern unternehmen, denn die Gletscherspalten können tückisch sein und kommt plötzlich der Nebel, ist man ohne GPS und Expertenwissen arm dran. Auch sollte man die Tour nicht allein und ohne Gletschererfahrung unternehmen.

Sie benötigen einen Bergführer? Das Bergführer Büro in Neukirchen am Großvenediger hilft Ihnen gern: Es gibt z. B. eine praktische und kostengünstige Pauschale (ab 5 Personen), die „Venediger-Tour“, buchbar im Bergführer Büro: Transfer, Übernachtung mit Halbpension in der Kürsinger Hütte, ein Besteiger-T-Shirt samt Urkunde und Bergführer um 208 Euro (Stand 2016).

Sie kennen sich aus und sind eine lustige Begleitung: Die Bergführer aus der Region - im Bild Hans-Peter Breuer und Manfred Reitsamer.

Sie kennen sich aus und sind lustige Begleiter: Die Bergführer aus der Region – im Bild Hans-Peter Breuer und Manfred Reitsamer.

Gedenken Sie der Pioniere!

Und wenn Sie dann am Gipfel stehen, erinnern Sie sich der Worte von Ignaz von Kürsinger, denn er hatte eine Bitte an künftige Ersteiger:

„Wenn in den kommenden Jahren, wie nicht zu bezweifeln ist, Karawannen von rüstigen Steigern auf jenem Eisthrone hinaus schauen in die unendliche Aussicht, und das trunkene Auge, von der göttlichen Allmacht ergriffen, über den dunklen Äther bethend himmelwärts blicket, da mögen sie uns Bahnbrechern eine freundliche Erinnerung schenken, und oben am Pflocke, den wir der eisigen Stirne des Riesen einschlugen, unsere Herzensworte durch die schauerliche Todtenstille über die schwindelnden Abgründe wieder hinaus rufen: Hoch lebe das Haus Österreich!“ (Kürsinger/Spitaler, Seite 38)

>> Tipp: Welche Ausrüstung benötige ich für die Ersteigung?

hohe Wanderschuhe (wasser- und steigeisenfest)
Wanderkleidung (wasserdichte Jacke, wetterfeste Hose, Handschuhe, Haube)
Wanderstöcke (empfehlenswert)
Rucksack
Jause und genügend Wasser
hoher Sonnenschutz (auch bei Schlechtwetter!)
Sachen des persönlichen Bedarfs
Steigeisen
Klettergurt
Verschlusskarabiner (Schrauber, Ball-Lock oder ähnliches)

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