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Der „Bischof vom Lungau“ auf seinem Palmesel

Auf den Weg durch die einzigartigen Täler des Lungaus, Salzburgs südlichsten Gaus, passiert man auch die zwischen St. Margarethen und Ramingstein gelegene Ortschaft Thomathal. Neben den hübschen Häusern und der herrlichen Natur sticht einem sofort die kleine Statue vor der malerischen Kirche ins Auge. Diese zeigt einen alten, langhaarigen Mann, mit einem weiten Umhang und einer Weidenkrone gewandet, der auf einem Esel reitet. Valentin Pfeifenberger – ehemaliger Priester von Thomathal und noch heute liebevoll „der Bischof vom Lungau“ genannt, der diese Statue zu seinem 85. Geburtstag von seiner Gemeinde geschenkt bekam. In die Geschichte ging er ein, als der „Palmesel-reitende Pfarrer“ und ist bist heute weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt.  

Es sind nicht nur die herrliche Landschaft, die atemberaubenden Berggipfel und die tiefblauen Seen, die das Salzburger Land so außergewöhnlich und eindrucksvoll machen. Es sind auch die Menschen und ihre Geschichten, die diesem besonders schönen Fleckchen Erde ihren Stempel aufdrücken. Manche dieser Geschichten sind so speziell, dass man sie noch lange nach dem Tod der Leute gerne und oft erzählt. 

Valentin Pfeifenberger war Priester aus Leidenschaft. Tiefgläubig und immer für seine Schäfchen da, prägte er mit seiner fröhlichen und freundlichen Art den Lungau und sorgte dafür, dass alte Traditionen nicht in Vergessenheit gerieten und wieder im aktiven Leben Einzug hielten. Traditionen wie das Osterfeuer, der Georgiritt und eben das Pamesel-Reiten.

Für den Voitl, wie man ihn im Thomathal rief, war schon sehr früh klar, dass der Weg des Priesters und Seelsorgers seine Berufung war. Geboren am 13. November 1914 in Zederhaus, als drittes von sieben Kindern, studierte er nach der Matura Theologie und Philosophie an der Universität Salzburg. 1940 wurde er zum Priester geweiht, später, 1956, wurde er Pfarrer von Thomathal. Auch wenn er tief in den Traditionen seiner Heimat verwurzelt war, so lebte er als Priester alles andere als weltfremd und die Menschen schlossen ihn schnell in ihr Herz und gaben ihm den liebevollen Beinamen „Bischof vom Lungau“. Bis kurz vor seinem Tod am 07. Juli 2004 widmete er all seine Kraft voll und ganz dem Dienst an seinen „Schäfchen“ und stand ihnen als Freund, Problemlöser, Lehrer und Tröster immer zur Seite. Auch der Humor kam nicht zu kurz und so lacht man in der kleinen Gemeinde noch heute über seine Witze. „Ein Freund von mir ist im Schlaf gestorben. Für ihn war das sehr schön. Für den Beifahrer war es aber nicht so toll.“

Jedes Jahr am Palmsonntag pilgerten tausende Menschen nach Thomathal, um dabei zu sein, wenn Pfarrer Pfeifenberger den Palmesel bestieg und den Einzug Jesu Christi nach Jerusalem auf dem Esel gedachte. Diese Aufmerksamkeit war ihm selber alles andere als recht, fürchtete er doch, man könnte sein Tun missverstehen und den religiösen Zweck dahinter ob des Spektakels vergessen. Tief in die Andacht versunken, ritt er auf dem Esel und es schien, als würde er die Menschen, die den Weg der Palm-Prozession säumten, gar nicht wahr nehmen. So offen sein Wesen sonst war, so ernst und konzentriert war er, sobald er seine Religion ausübte. Erstmals im Jahr 1967 griff der Pfarrer die alte mittelalterliche Tradition des Palmesel-Reitens wieder auf, nachdem sie rund 200 Jahre früher verboten wurde. Eine Entscheidung, die natürlich nicht überall positiv aufgenommen wurde. Doch mit den Worten: „Schaden tut’s keinem und helfen kann’s jedem“, tat der „Voitl“ die Kritik ab und setzte sich von nun an jedes Jahr nach dem Palmsonntags-Gottesdienst auf den Rücken des Esels und ritt durch die liebevoll geschmückten Straßen seiner Gemeinde. Auf dem Kopf trug der langhaarige und bärtige Gottesmann eine Weidenkrone (als Symbol für die Dornenkrone Jesus‘), einen roten Überwurf hatte er um seine Schultern geschlagen. Bis kurz vor seinem Tod sollte Pfeifenberger von nun an dieser Tradition treu bleiben. Nur einmal, im Jahr 1977, bestieg er nicht den Esel, sondern wurde von diesem unsanft abgeworfen. Doch es wäre nicht „der Bischof vom Lungau“ gewesen, hätte er nicht auch diesen schmerzhaften Abstieg mit humorvollen Worten kommentiert: „Allen sei von Herzen gedankt, ein herzliches Vergelt’s Gott! Wenn das Vieh nicht immer tut, wie man es will – da kann man nichts machen“. 

Seit dem Tod des Pfarrers bleibt der Esel am Palmsonntag wieder in seinem Thomathaler Stall, doch es vergeht kaum ein Tag, an dem die Lungauer nicht ihrem Voitl gedenken. Auch anderorts im Salzburger Land kann man heute noch an Palmsonntags-Prozessionen teilnehmen, die alles andere als gewöhnlich sind. So setzt sich in Hintersee alljährlich ein Ministrant auf den Esel und reitet durch den Ort. Anders geht es in Puch zu, wo man einen „Palmesel“, eine Holzstatue eines Esels mit Jesus darauf, durch den Ort zieht. So unterschiedlich diese Traditionen auch sein mögen, so begeistern sie doch überall die Menschen und bringen sie an einem Ort zusammen. Ganz im Sinne von Valentin Pfeifenberger, dessen Spuch „Pasta asciutta – alles in Butter. Buona sera, hock di her da, dann san ma mehra.“ wohl noch lange durch unser schönes Land hallen wird. 

 

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