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Der „Schafe-Toni“ von der Fürthermoaralm

Er ist weitum bekannter und beliebter Wirt der Fürthermoar-Alm unterhalb des Mooserboden-Stausees in Kaprun, er ist Schafhüter und Senner aus Leidenschaft und seit 50 Jahren verbringt er die Sommermonate auf seiner Alm: Anton Aberger aus Kaprun, der in seinem eben erschienenen autobiografischen Buch „So vü Leben“ aus diesem halben Jahrhundert Almleben erzählt.

Idyllisch und wild ist es hier auf der Fürthermoaralm, hoch oben über Kaprun, zwischen den beiden türkisblauen Hochgebirgsstauseen. Die imposante 107 Meter hohe und fast 500 Meter langeTalsperre prägt das Landschaftsbild. Die beiden Seen Mooserboden und der etwas tiefer gelegene Wasserfallboden sind umringt von den schroffen Steilhängen von 10 Dreitausendern wie Kitzsteinhorn, Hohem und Niederem Tenn, Bauernbrachkopf, Wiesbachhorn und Grießkogel. Hier herauf, auf die Fürthermoaralm, auf 1.800 m Seehöhe kam Anton Aberger zum ersten Mal als kleiner 4-jähriger Knabe mit seinem Großvater, der ihn in die Geheimnisse des Almlebens einweihte.

Die Fürthermoaralm in Kaprun

Die Fürthermoaralm in Kaprun

Grundalm am Grund des Sees
Der 64-Jährige erzählt: „Bereits 1779 wurde die Alm – bestehend aus der Niederalm Wasserfall und der Hochalm Ebmatten – gemeinsam mit anderen Bauern gekauft. Als rund 150 Jahre später die Alpen Elektrizitätswerke mit dem Bau des Wasserkraftwerks begannen, wurden die Gründe der Wasserfallalm benötigt und die Mitbesitzer kauften sich in anderen Agrargemeinschaften ein. Mein Großvater aber fand keine passende Alternative und trotz der klimatisch schwierigen Bewirtschaftung kaufte er 1942 die Nutzungsrechte der Hochalm Ebmatten zurück. Die einstige Grundalm war dem Stausee zum Opfer gefallen und lag nun am Grund des Sees. Nur wenige Wochen im Sommer konnte damals die Alm genutzt werden, da aufgrund der Höhe und des ständigen Schneefalls die Vegetation für das Vieh sehr dürftig war. Doch er hielt durch und als immer mehr Arbeiter zum Milch Kaufen zu ihm auf die Alm kamen, begann er 1949 mit dem Ausschank auf der Alm. Heute sind die klimatischen Bedingungen nicht mehr so hart wie damals und oft können wir mit unseren Kühen und Pferden schon Anfang Juni hinauf auf die Weiden.”

Während ich mit Toni in der Sonne vor der Alm sitze, grasen die 55 Milchkühe und 100 Kälber friedlich auf den grünen Almwiesen rund um die urige Fürthermoaralm und Tonis Blick schweift immer wieder wachsam zu den steilen grasbewachsenen Flanken der umliegenden Hänge. „Dort oben sind unsere Sommergäste – 800 Schafe aus Kärnten, Salzburg und Deutschland. Die Schafbauern übergeben ihre Tiere in meine Obhut und ich trage über den Sommer die Verantwortung für ihr Wohlergehen. Als kleines Kind bekam ich von meinen Rauriser Großeltern ein Kitz geschenkt und bald schon hatte ich eine ganze Ziegenherde. Ich verkaufte sie und erwarb um das Geld Schafe. Seither war ich nie ohne Schafe und je länger ich mit ihnen lebte, desto mehr habe ich sie verstanden. Schafe sind unglaublich sensible Lebewesen“, erzählt der Kapruner, der durch die intensive Arbeit mit den Schafen den Spitznamen „Schafe-Toni“ bekommen hat.

Da Schafe-Toni mit seiner Herde.

Da Schafe-Toni mit seiner Herde.

Generell erzählt er gern, der Fürthermoar-Wirt, wenn er in geselliger Runde auf seiner Alm die Gäste unterhält. Und so kam es auch, dass eines Tages ein Bekannter meinte, er müsse seine Geschichten unbedingt aufschreiben und einmal ein Buch darüber schreiben. Genau so kam es auch und im Juni erschien nun sein Rückblick auf 50 Jahre Almleben. „So vü Leben“ ist der Titel des Buches und in Kurzgeschichten erzählt er darin über die schönen, aber auch tragischen Momente auf der Fürthermoaralm. „Ein besonderes Leben haben wir hier heroben gehabt. Viel ist passiert und nicht selten bin ich nur knapp mit dem Leben davongekommen. Doch der da oben hat mich noch nicht wollen, dafür hat er mir manche genommen!“, spricht der Hüttenwirt sehr nachdenklich die vielen Schicksalsschläge an, die im Laufe der Jahre einen tragischen Schatten über das Almleben geworfen haben.

Die Schafe sind immer im Blick.

Die Schafe sind immer im Blick.

Die Stauseen Mooserboden sind ein beliebtes Ausflugsziel im SalzburgerLand und die Busse, die die Gäste vom Parkplatz Kesselfall bis ganz nach oben zur Staumauer bringen, halten auch direkt vor der Almhütte. So füllt sich die Terrasse der Gastwirtschaft schnell mit Leuten und Toni ist jetzt ganz Wirt. Er begrüßt die Wanderer und verrät mir im Weggehen: „Erst wenn der letzte Bus die Besucher zu Tal bringt, kehrt hier wieder Ruhe ein. Nur einige Bergsteiger, die die Alm als Basislager für ausgedehnte Bergtouren nutzen bleiben bei uns heroben. Das ist für mich die schönste Tageszeit. Abends, wenn die Berggipfel im letzten Licht glühen und alles still ist, dann ist es uns selbst auch immer bewusst, wie schön wir es hier haben. Ich gehe auch selbst viel rauf auf die Berge – Wiesbachhorn, Glockner und heuer wieder der Großvenediger. Ich kennen jede Hütte von der Zittauerhütte in Krimml bis zum Zittlaus am Rauriser Sonnblick persönlich – all diese Berge bin ich schon mit meiner Frau Martina abgewandert.“

Um die Nachfolge auf der Fürthermoaralm muss sich Anton Aberger also keine Sorgen machen und meint abschließend: „Alle 3 Enkerl helfen mir die Tiere zu füttern und sie auf die Weide zu treiben. Ich möchte ihnen in ihrer Begeisterung beistehen und sie lehren, was für ihr weiteres Leben vielleicht wichtig ist. Für mich gibt es keinen schöneren Platz und solange ich körperlich dazu in der Lage bin, werde ich als ,Schafe-Toni‘ hier heroben nach meinen Schafen sehen und den Sommer auf unserer Alm verbringen. Im Tal fühl ich mich einfach nicht wohl – nur hier heroben bin ich richtig glücklich.“

Das Erstlingswerk kann bei den lokalen Buchhändlern (www.wirthmiller.at – www.ellmauer-buch.at – www.der-buchladen.at) bestellt werden.

 

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