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Jedermann kum, Deine Stunden san um…

… sang Helmut Qualtinger als Herr Karl in seinem Jedermann-Kollapso. Und so geht er denn, der reiche Mann, geläutert in der letzten Stund’. Sommer für Sommer pilgern die Zuseher auf den Domplatz und sehen dem Schauspiel vom Leben und Sterben des Jedermann zu.

Das Regiekonzept von Max Reinhardt, der mit der ersten Aufführung von Hofmannsthals Text im August 1920 die Salzburger Festspiele begründete, war ganz und gar auf den Domplatz, die beeindruckende Kirchenfassade und das sommerliche Abendlicht eingestellt. Daran wurde 40 Jahre lang nichts geändert, eine Theaterreliquie, meinten Reinhardts Gegner, an die jedoch kein Regisseur zu rühren wagte. Der eigene Sohn machte den Schritt aus dem Schatten: 1961 zeigte Gottfried Reinhardt, in jungen Jahren Regieassistent von Ernst Lubitsch, in seiner Fassung Kostüme im Stil von Hieronymus Bosch, unterlegt von den Neutönen des Komponisten Ernst Krenek. Paula Wessely, Großmutter des Jedermann 2013 Cornelius Obonya, spielte damals den Glauben. Die modernisierte Geschichte vom bußfertigen Playboy roch dem Publikum in Salzburg zu sehr nach Hollywood. “Die Leute haben den neuen ‘Jedermann’ nicht sehr goutiert”, so der damalige Festspiel-Präsident Paumgartner.

Ein halbes Jahrhundert später hat das Regie-Duo von Julian Crouch und Brian Mertes die Herausforderung einer neuen Inszenierung des Domplatz-Klassikers aufgenommen und alle Erwartungen übertroffen.

“Wir haben uns in der Vorbereitungszeit sehr intensiv mit Reinhardts und Hofmannsthals Werk befasst. Wir beziehen uns auf die Bühne, die Kostüme und die Musik der ursprünglichen Inszenierung. Dazu kommen Volkslieder und Musik aus dem Zeitraum der Salzburger Uraufführung – den Zwanziger Jahren”  erläutern  die Regisseure ihre Arbeit. Die Glocken von Franziskanerkirche und Dom, die “Jedermann!”-Rufe aus der Ferne und der anfänglichen Zug der Schauspieler und Musikanten von der Hofstallgasse zur Holzbretterbühne am Domplatz schaffen ein einzigartiges Erlebnis: Die Stadt ist Bühne. Ganz im Sinne von Max Reinhardts Festspielidee.

FOTOCREDIT @ Bryan Reinhard

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