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Salzburger Lungau – Zurück in die Zukunft

Eine schicke junge Frau im Kostüm steht aufgeregt gestikulierend im dämmrigen Licht des Kuhstalls, ihre High Heels versinken im nassen Stroh. Ihr gegenüber der Bauer, Skepsis im Blick. Die beiden diskutieren angeregt, die Frau lässt nicht locker. Immer und immer wieder führt sie Argumente an, schließlich verlässt sie zufrieden lächelnd den Hof – in ihrer Tasche ein Papier mit der Unterschrift des Landwirts: seine Einverständniserklärung über die Nutzung der Wege auf seinem Land für Mountainbiker.

Mountainbike-Route Lungau EXTREM
So oder ähnlich muss sie sich abgespielt haben, die Szene, die uns Andrea Moser-Dengg von der Ferienregion Salzburger Lungau gerade schildert. Stolz berichtete sie darüber, mit wie viel Engagement sie und ihre Kollegin in nur zwei Monaten ein Mammutprojekt realisiert haben. „Lungau EXTREM“ heißt die neu ausgeschilderte Mountainbike-Route, für die sie im Zweifelsfall die Bauern persönlich im Stall besucht hat, um über Wegnutzungsrechte zu verhandeln. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Herausgekommen ist eine 160 Kilometer lange Tour, die über 7.000 Höhenmeter überwindet, Singletrail-Anteil inklusive – von ihren Macherinnen sind für die Strecke vier Tage vorgesehen, wem das zu extrem ist, kann weitere Übernachtungen einplanen. Im Lungau tut sich also etwas für die Mountainbiker. Anstatt sich auf den bereits bestehenden 15 Touren auszuruhen, wird hier mit viel Herzblut an der Zukunft des Biketourismus gearbeitet.

Pioniergeist und Tradition
Dieser Pioniergeist trifft im Lungau auf eine Region, die sich gleichzeitig tief mit ihren Traditionen verwurzelt zeigt. Vielleicht ist die besondere geografische Lage Grund für diesen Charakter. Lungau ist die südlichste der Salzburger Regionen, wer Tamsweg und seine Nachbargemeinden von Norden her ansteuert, muss entweder durch den Tauerntunnel fahren oder die Niederen Tauern per Passstraße überwinden. Angekommen in der 1.000 Quadratkilometer großen Talschaft markieren kleine, aber spürbare Unterschiede in der Bauweise der Häuser und in dem Dialekt der Menschen den allmählichen Übergang in einen anderen Kulturkreis. Auch die Landschaft verändert ihr Gesicht: Das gesamte Tal befindet sich durchschnittlich bereits auf über 1.000 Metern Seehöhe und verströmt mit seinen klaren Bergseen und Lärchenwäldern alpinen Flair. Wegen seiner Höhe ergeben sich beste Voraussetzungen für abwechslungsreiche Touren, die in alle Richtungen abzweigenden Seitentäler und Berge ermöglichen ungeahnte Kombinationsmöglichkeiten für Biker aller Könnensstufen. 

Blick in die Vergangenheit
Unser erstes Ziel sind die Granglitzalmen, die sich an die Flanke des 2.316 Meter hohen Gumma schmiegen. Erst auf Forstwegen, dann auf Trails ist diese kleine Siedlung historischer Almhütten leicht zu erreichen. Die Hütten sind verlassen und verbarrikadiert, statt einer Bewirtung empfängt uns hier ein Blick in die Vergangenheit. Nebel zieht an den verlassenen Holzhäusern vorbei die steile Wand Richtung Gummagipfel hinauf, es wird gespenstisch. Gut, dass nur wenige Minuten weiter dann doch noch eine bewirtete Alm auf uns wartet, und diese noch dazu alles Bisherige in den Schatten stellt. Die Brettljause, die uns auf der Wildbachhütte serviert wird, verschlägt uns die Sprache und ist bis heute die unangefochtene Gewinnerin der World of MTB Jausenwertung.

Preberschießen im Lungau
Nach einer steilen Abfahrt nach St. Andrä steuern wir den Prebersee an – ein tiefdunkler Moorsee, dessen besondere Wasserkonsistenz einen eigenen Sport hervorgebracht hat. Beim Preberschießen zielen Schützen in einem bestimmten Winkel auf die Wasseroberfläche, auf der die Kugel abprallt und im besten Fall ins Schwarze der am Ufer aufgestellten Zielscheiben trifft. Verschiedene Mythen ranken sich um die Entstehung dieser Tradition, sicher ist nur, dass sie weltweit einmalig ist. Selbst für geübte Schützen ist ein Treffer ins Schwarze ein Glücksfall, da die genaue Flugbahn des Geschosses nach dem Abprallen auf der Wasseroberfläche nie ganz vorherzusehen ist. Der Schützenverein, der das jährliche Preberschießen veranstaltet, legt großen Wert auf die Wahrung dieser Tradition und erlaubte erst spät das Fotografieren und Filmen des Events. Die Wasserkonsistenz als Schlüssel für das Preberschießen ist bis heute nicht bis ins Detail erforscht. Es bleibt geheimnisvoll im Lungau! Dass sich der See allerdings auch zum Abkühlen hervorragend eignet, hat Norman in einem mutigen Selbstversuch erfolgreich beweisen können.

Salzburger Wappen am Gürtel
Eine Tradition am Leben hält auch Eva Gappmayr, die wir am Nachmittag in ihrem Atelier besuchen. Sie ist gelernte Goldschmiedin und Graveurin und hat ihren eigenen Weg gefunden, um die alte Kunst dieses Handwerks weiterzuführen. Sie hat aus dem Salzburger Wappen eine Gürtelschnalle entworfen, die sie nun eigenhändig in ihrer kleinen Wohnung produziert. Die so entstehenden Gürtel vertreibt sie über ihren Onlineshop „Hoamweh“ mit großem Erfolg. Die Gürtel sind bei den heimatverbundenen Salzburgern der Renner, mittlerweile kann die junge Frau von ihrer Arbeit gut leben. Tradition und Moderne – Eva ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich beides erfolgreich vereinen lässt. Auch der Kellner, der uns am Abend unsere Holunderschorle serviert, trägt einen von Evas Gürteln. Wir sitzen bei den letzten Sonnenstrahlen im Café der Burg in Mauterndorf. Das Gemäuer um uns herum ist Jahrhunderte alt und doch voller Leben. Die Burgschänke besitzt einen großzügigen Tagungsraum, der für Feste und Feiern aller Art ständig gebucht wird. Figuren und Kostüme lassen an allen Ecken das Mittelalter lebendig werden. Im Lungau kann man problemlos an einem Tag eine Zeitreise in die Vergangenheit antreten und gleichzeitig auf neu erschlossenen Mountainbike-Strecken seine Grenzen neu stecken.

Nachfragen
Ferienregion Salzburger Lungau
Rotkreuzgasse 100
5582 St. Michael im Lungau
T: +43 6477 89 88
info@lungau.at
www.lungau.at

Meereshöhe
Auf durchschnittlich über 1.000 Meter Seehöhe

Unterkommen
Ob Familienhotel, traditioneller Gasthof oder gepflegter Bio-Bauernhof: Im Salzburger Lungau genießt man die Ruhe der Nacht, um sich köstlich gestärkt zu einem Ausflug in die Lungauer Bergwelt aufzumachen. Die aktuelle Übersicht aller Beherbergungsbetriebe im Salzburger Lungau gibt es auf: www.lungau.at

Tipp
Mit Sommer 2014 ist das Mountainbike Wegenetz des Salzburger Lungaus nicht nur verbessert, sondern auch um ein Highlight reicher: die tälerverbindende Lungau „EXTREM“ Runde. Die Lungau EXTREM verfügt über eine Streckenlänge von 158,5 km und die Summe aller Anstiege beträgt 6.145 Höhenmeter. Die Lungau EXTREM wird empfohlen in vier Etappen zu absolvieren:

  1. Tamsweg – Göriach, 41,2 km, Summe aller Anstiege 1.935 Höhenmeter
  2. Göriach – St. Michael, 45,3 km, Summe aller Anstiege 2.068 Höhenmeter
  3. St. Michael – Katschberg – St. Michael, 34,4 km, Summe aller Anstiege 1.556 Höhenmeter
  4. St. Michael – Tamsweg, 37,4 km, Summe aller Ansteige 1.613 Höhenmeter

Diese tälerverbindende Tour eignet sich für sportliche und erfahrene Mountainbiker.

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