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Nationalpark Hohe Tauern – Der König der Lüfte

Bei der von Nationalpark-Rangern geführten Wanderung ins Rauriser Krumltal, dem „Tal der Geier“, lernen interessierte Gäste nicht nur alles über die heimischen Greifvögel, sondern mit etwas Glück sichtet man neben Bartgeiern, Gänsegeiern und Steinadlern auch andere Wildtiere. Erfolgreiche Wiederansiedelung Einst unter dem Namen Lämmergeier bekannt, dichtete man diesem majestätischen Greifvogel mit einer Flügelspannweite bis zu 2.90 m an, Lämmer und Gämsen zu jagen und sogar der Myhtos, gelegentlich ein Kind aus dem Wagen zu stehlen, hielt sich hartnäckig.  Diese Schauergeschichten führten innerhalb von nur 100 Jahren zur Ausrottung dieses majestätischen Vogels. Im Krumltal, einem Seitental am Ende des Raurisertals, startete 1986 die Wiederansiedelung des Bartgeiers in den Alpen. „Hans“, „Fritz“, „Ellen“ und „Winnie“ hießen die ersten vier Jungvögel, die damals im Nationalpark Hohe Tauern ihre Kreise zogen. Bis heute wurden 29 Bartgeier in Rauris freigelassen und in kürzester Zeit hat sich das Projekt zu einem der bedeutendsten Artenschutzprojekte in Europa entwickelt.

Anfangs präsentiert sich das Krumltal noch nebelverhangen.

Anfangs präsentiert sich das Krumltal noch nebelverhangen.

Wandern auf den Spuren der Geier Am Parkplatz Lechnerhäusl treffe ich mich mit den Nationalpark Rangern Martin und Martha, die bereits ihre massiven Spektive aufgebaut haben, und den Himmel nach den Greifvögeln absuchen. Nach und nach gesellen sich weitere Teilnehmer zu unserer bunt gemischten Gruppe: vom Hobby-Ornithologen, Naturliebhabern bis zu Familien mit Kindern – jeder will die Bartgeier mit eigenen Augen sehen. Einige von ihnen sind extra wegen dieser Geierwanderung nach Rauris gekommen und die gespannte Aufregung ist ihnen deutlich anzumerken. Auf der 1,5-stündigen Wanderung entlang des Krumlbaches hören wir von den Rangern alles Wissenswerte über Geier und Adler und immer wieder wird ein kurzer Stopp eingelegt um die Ferngläser und Spektive in Position zu bringen und die Gipfelgrate abzusuchen. Noch zeigt sich kein Vogel am wolkenlosen Himmel, doch Martin macht der Gruppe Hoffnung: „Hier im Krumltal finden sich im Sommer 60 bis 80 Gänsegeier zur Sommerfrische ein und seit der Wiederansiedelung leben auch Bartgeier ganzjährig hier. Das Raurisertal gehört außerdem zu den am dichtesten von Steinadlern besiedelten Tälern der Hohen Tauern.“ Weiter wandern wir entlang der „Roten Wand“ wo wir unsere Blicke auf die verlassenen Geier-Horste richten, denn hier in der Felswand wurde noch vor wenigen Jahren von den Bartgeiern gebrütet.

Während der Wanderung erzählt NP Ranger Martin Wissenswertes über die Greifvögel.

Während der Wanderung erzählt NP Ranger Martin Wissenswertes über die Greifvögel.

Murmeltiere & Gämsen Ein Pfeifen lässt unsere Schritte stoppen und die Köpfe richten sich gespannt nach oben, doch Martin lacht: „Falsche Blickrichtung – das war ein Murmeltier, das soeben einen Warnpfiff abgegeben hat!“ Schon erspähen wir am Gegenhang die kleinen pelzigen Gesellen, die sich in den Sonnenstrahlen wärmen. Wie wir lassen sie den Himmel nicht aus den Augen, denn Murmeltier steht ganz oben auf dem Speiseplan der Großgreife. Weiter über ihnen am Grat zeigen sich Gämsen, die neugierig auf unsere Gruppe herunterspähen. Nach dieser ersten Wildsichtung steigt die Spannung und schnell wandern wir weiter zur bewirtschafteten Bräualm, wo wir einkehren und auf einen Fotografen treffen, der mehrmals im Jahr mit dem Objektiv auf die Fotojagd im Krumltal geht. Er erzählt uns, erst an diesem Morgen einige Gänsegeier im Talschluss gesichtet zu haben und ab diesem Moment wird der Himmel nicht mehr aus den Augen gelassen.

Gebannt blicken alle in den Himmel.

Gebannt blicken alle in den Himmel.

Erste Sichtung Und endlich, wie ein Lauffeuer macht die Nachricht die Runde – weit oben, unter dem Gipfel rasten einige Geier im hohen Gras. Die Spektive sind ausgerichtet und jeder erhascht nun einen „Aug-in-Aug-Blick“ auf die imposanten Vögel. Nun geht es Schlag auf Schlag – dort ein majestätischer Steinadler, hier zwei Gänsegeier, die den Grat entlang streichen und endlich auch der erste Bartgeier, der weit oberhalb der Waldgrenze durch die Lüfte segelt. Die Gruppe teilt sich nun, denn einige schlagen ihr gemütliches Beobachtungs-Lager hier an der Bräualm auf, während sich der Rest weitere 20 Minuten auf den Weg macht, um bis zu den Wasserfällen zu marschieren. Diese Wanderung wird definitiv belohnt, denn das Schauspiel, das sich uns bietet ist atemberaubend. Zuerst beobachten wir Bart- und Gänsegeier, die einträchtig zusammen ihre Kreise ziehen. Martha erklärt, warum diese beiden Vögel in perfekter Symbiose leben: „Gänsegeier leben vom Aas verendeter Tiere und Bartgeier ernähren sich vorwiegend von dem, was die Gänsegeier verschmähen: den Knochen. Was uns wenig nahrhaft erscheint, enthält aber genau so viel Energie wie Fleisch und die scharfen Magensäfte des Bartgeiers helfen, an diese Nährstoffe zu kommen. Zu große Knochen werden übrigens mit den Fängen hoch in die Luft getragen und auf Felsen abgeworfen, auf der sie zersplittern – deshalb hat der Bartgeier auch den Beinamen ,Knochenbrecher’.“

Die Bräualm im Krumltal.

Die Bräualm im Krumltal.

Kurz bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen wollen, kommt der überraschende Höhepunkt dieses Tages: plötzlich ist der Himmel übersät mit schwarzen Punkten und ein Blick durchs Spektiv verrät – ein ganzer Schwarm Gänsegeier zieht über den Grat ins Krumltal. Nach ein paar Runden lassen sich die Geier, einer nach dem anderen, auf dem Gipfel nieder und in aller Ruhe können wir sie nun beobachten. Über 30 Stück zählen wir und die Aufregung in der Gruppe ist groß. Kaum können wir uns an diesem Anblick sattsehen, doch langsam wird es Zeit für die Rückkehr und so reißen wir uns schweren Herzens los – mit dem Versprechen, bald wieder zurück ins Krumltal zu kommen.

Infos zur Wanderung unter www.raurisertal.at – Erlebnisausstellung mit zahlreichen interessanten Filmen und interaktiven Elementen im Nationalpark-Haus „König der Lüfte“ in Rauris-Wörth www.nationalpark.at.

Folgende Fotos hat mir der Fotograf Richard Straub zur Verfügung gestellt:

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Kommentare

Kommentare

  1. Edith Danzer
    geschrieben von Edith Danzer

    Danke Toni für dein Update!

  2. geschrieben von Toni Wegscheider

    Und die Erfolgsgeschichte der Bartgeier im Krumltal geht weiter: auch heuer wird dort wieder gebrütet! Momentan sitzt ein prächtiger Jungvogel in einem kaum zu sehenden Felshorst und wird von den beiden Alttieren regelmäßig mit Futter versorgt, das sie von weiten Suchflügen herantragen. Wenn nichts mehr massiv schiefgeht, dann sollte in Kürze der junge Geier zu seinem Jungfernflug starten. Damit wäre die Rückkehr der mächtigen Vögel im Alpenraum wieder einen Schritt weiter.

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