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Quer durch die Zeit im Salzburg Museum

Willkommen also im SalzburgMuseum. Wer hier ausschließlich Patina-geprägte Gemälde, in Glaskästen verpackte Münzen und Vasen sowie verstaubte Portraits erwartet, der wird den Besuch des zweistöckigen Gebäudes als Offenbarung erleben. Der Lockruf ertönt täglich dreimal – das berühmte Glockenspiel entstammt den hohen Gefilden des prunkvollen Gebäudes.

Mehr als „nur“ EIN Museum
Grundsätzlich ist das SalzburgMuseum weniger eine einzige Lokalität als viel mehr ein Komplex aus mehreren sehenswürdigen Teilen, die sich über die Salzburger Innenstadt und Gegend verstreuen. Die Festung selbst gehört ebenso wie das Spielzeug-, das Domgrabungs- und das Panoramamuseum dazu, fern der Stadtgrenzen zudem auch das Volkskundemuseum in Hellbrunn.

Das Herzstück oder auch „Flaggschiff“ ist jedoch das SalzburgMuseum am Mozartplatz, erklärt der Museumsleiter Peter Husty. Wir sind also genau richtig hier in der „Neuen Residenz“. Viel zu Erzählen und Staunen gibt es vom Untergeschoss bis in den zweiten Stock, denn unterschiedlicher könnten die Ebenen nicht sein. Sehenswert allein das Gebäude selbst – vom Erzbischof Wolf Dietrich höchstpersönlich wurde es vor rund 400 Jahren erbaut. Noch vor acht Jahren diente es als Sitz der Landesregierung.

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Das aktuelle Thema widmet sich der Archäologie

Mediterrane Bäume mit göttlichen Besuchern
Was man im Untergeschoss etwa sieben Meter unter der Erde entdecken kann, wechselt mit regelmäßig neuen Ausstellungen. Aktuell begibt man sich unter dem Titel „Archäologie?! – Spurensuche in der Gegenwart“ auf die mitunter sehr spannenden Fährten von einstigen ebenso wie jetzigen Forschern und „Ausgräbern“. Eine riesige mit Terracotta gestaltete Nachkonstruktion einer altrömischen Stadt lange vor Christus fällt als Erstes ins Auge, dicht gefolgt von einem großen „Wald“, die einzelnen Bäume in ihren Töpfen verbunden durch etwas, das wie Säule aussieht.

Sieht man genauer hin, haftet an jedem der mediterran anmutenden Bäumchen ein Miniaturzug, die Seile stellen die Gleise dar. Um nicht zu weit ins Detail zu gehen hier nur kurz die Auflösung: Die Züge tragen die Namen der Götter, die Fahrt von Pflanze zu Pflanze ein „Bäumchen-wechsel-dich“ von einer hübschen Göttin zur nächsten. Die Ironie lässt grüßen.

Von Comic-Statuen und einem munteren Archäologen-Team
Skulpturen, wie man sie aus dem alten Rom und Griechenland kennt, stehen neben diesem „heiligen Hein“ der Bäume und irritieren auf den ersten Blick. Schweinchenrosa die Haut, orange und gelb die (Scham-)Haare. Tatsächlich ist nur ein Teil der Irritation angebracht. „Wir kennen ja nur die farblosen Statuen, weil sie uns nur so erhalten geblieben sind“, erklärt der Museumsleiter, „tatsächlich waren sie aber auch damals schon angemalt. Die Farbe ist nur abgegangen.“ Mitunter eine Erkenntnis des Tages war das zumindest für mich.

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Bunt bemalte Skulpturen

Unscheinbar aber bei näherer Betrachtung besonders interessant ist die Wand voller Fotos. Hier sieht man nicht etwa das Bild ausgegrabener Schätze. Stattdessen lachende und grinsende Gesichter von Männern und Frauen unterschiedlichsten Alters, Statur und Kleidung. Der Clue: Hierbei handelt es sich um das Team selbst, vom Organisator über der Altertumsexpertin bis hin zum Gräber. Sonst immer im Hintergrund, werden sie hier präsentiert und weckt ein ganz neu orientiertes Interesse am Alltag dieser munter dreinblickenden Archäologen.

Museum als Filmerlebnis
Das erste Obergeschoss überspringt Husty aus gutem Grund: Zurzeit finden dort intensive Bauarbeiten für eine große Ausstellung im Mai (Start am 8. Mai 2014) statt, in der es sich mit Relikte und dokumentierten Erinnerungen um das Trauma des Ersten Weltkriegs drehen wird. Im Erdgeschoss befindet sich wiederum „nur“ die Eintrittskassa und der Museumsshop, von daher geht es gleich hinauf in den zweiten Stock.

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Links ein Foto von vor 200 Jahren, rechts ein Film von heute

Hier dreht es sich nun wirklich um das, was man sich unter dem Namen „Salzburg Museum“ gemeinhin wohl vorstellt: Aufbereitete historische Fakten und Daten über die Stadt und dessen ehemalige Oberhäupte. Allerdings in weitaus aufregender Form als rein über erwähnte Schrifttabellen. Um die Erzbischöfe, die Salzburg einst regierten, lebendig darzustellen, haben sich Husty und sein Team etwas ganz Besonderes einfallen lassen.

Wie entsteht eine verzaubernde Stadt?
So befinden sich in einer beeindruckenden Halle mit original und kunstvoll dekorierter Decke nicht nur riesige Gemälde der Herrscherinstanzen, sondern ebenfalls ein großer Bildschirm vor jedem dieser. Darauf zu sehen Schauspielerinnen und Schauspieler, die mit leidenschaftlicher Miene und klarer Stimme genau so sprechen und von sich erzählen, wie es gemäß Dokumentation vielleicht die Herrschaften selbst getan hätten.

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Stadt im Kasten

 

„Abgelesen hätte das wohl kaum einer, so interessieren sich die Menschen vielleicht wirklich für das, was hier vor vielen hundert Jahren geschehen ist“, so Husty. Immerhin ist die gesamte (Alt-)Stadt wie wir sie heute kennen den Konstruktionen und Bauprojekten eben dieser Bischöfe zu verdanken. „Durch sie hat Salzburg die prunkvolle Schönheit und den Glanz erhalten, der bis heute die Menschen verzaubert.“

Faszination Salzburg
Was das zweite Stockwerk über den „Mythos Salzburg“ noch so alles verrät und offenbart, ist schwer auf ein paar Zeilen zusammenzufassen. Das Angebot reicht von herrlich in Nostalgie versetzenden alten Werbeplakate von Skidestinationen wie Bad Gastein bishin zu faszinierenden Plänen von Gebäuden in Salzburg, die nie umgesetzt wurde.

Auch dass Salzburg erst seit dem 19. Jahrhundert zu Österreich, vorher erst eigenständig war und dann einmal zu Bayern und einmal zu Frankreich gehört hat, lernt man hier genauso wie viele weitere erstaunliche Fakten über Land und Stadt. In einem Video auf einem großen Bildschirm sieht man, was ein japanischer Tourist mit seiner Kamera in der Altstadt für aufnehmenswert befunden und dokumentiert hat, in einem anderen, wie die Landschaft damals wie heute erhalten und von Bauprojekten verschont bleiben konnte.

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Mutter und Tochter Pongdara aus Thailand waren auch zu Besuch

„Verstehen, was hier alles passiert ist“
Das hat besonders Amornrat und Sawapat Pongdara aus Thailand gefallen. Mutter wie Tochter ging gerade beide offensichtlicher bester Laune aus dem Museum raus, in das ich im Stande war, hineinzugehen. Auf neugierige Anfrage meinerseits teilten sie sich mir in gutem Englisch freudig mit: „Es ist toll, zu sehen, wie Salzburg damals aussah und es heute tut. Zu verstehen, was hier alles passiert ist, macht unsere Reise noch kompletter.“

Da bekommt man doch gleich Lust, sich selbst ein Bild zu machen vom Erlebnisspektakel Salzburg Museum.

Salzburg Museum; Neue Residenz
Mozartplatz 1
A – 5020 Salzburg
www.salzburgmuseum.at/neueresidenz.html
Öffnungszeiten: Di-So 9 bis 17 Uhr; Abendführung Do um 18 Uhr

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